5. 12. 2007
[…] viele weitere interessante Dinge gesehen. Nach dem (sehr westlich geprägten) Frühstück fuhren wir per Tuk Tuk aus der Stadt heraus zum Choeung Ek Genocide Memorial, besser bekannt als “Killing Field”. Es ist eine Stätte, wo rund 80 Massengräber freigelegt worden sind. Schädel von 8000 Toten häufen sich nach Alter sortiert in einer Stupa, welche an die Exekutionen erinnert. Holztafeln zeigen, wo der Sterbe-Warteraum war, in welchem Gebäude die Gifte aufbewahrt wurden und dass ein bestimmter Baum dazu gebraucht wurde, Kinder zu foltern, indem man sie gegen den Stamm schlug. Ich war ziemlich erschüttert, so dass ich mir wie eine Schale zugelegt habe, die die Eindrücke etwas abdämpfte und auf Distanz hielt… ich sollte dies heute noch mehr gebrauchen.
Das Kunstmuseum besuchten wir gegen Mittag. Es war wesentlich leichter zu verdauen, auch wenn man im Gewirr der tausend Jahre alten Buddhas, Shivas, Ganeshas und Vasthis leicht den Überblick verlieren kann. Erinnern möchte ich mich an die bronzenen Trommeln aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus. Ob deren Schöpfer wohl gedacht haben, dass die Instrumente so lange überdauern könnten? Es gab auch hübsche Glocken für Elefanten zu sehen, eine Buddhastatue mit der Inschrift “L’ignorance est l’ennemie de la vie” und die Legende des Adlers Garuda.
Am Nachmittag sahen wir weitere brutale Szenen im S-21, einem ehemaligen Gefängnis der Khmer Rouge, welches nun zum Museum hergerichtet ist. Die Gebäude selbst wurden intakt gelassen, inklusive Stacheldraht und den durch Backsteinmauern getrennten Zellen, wo man noch die Ketten der Häftlinge sehen kann.
Gegen Abend führten uns die Nasen noch zum Zentralmarkt, an das Flussufer, zu einem Früchtemarkt in der Nähe der Herberge und schliesslich zurück. Immer mehr trat auch die Armut dieses Landes zum Vorschein: kleine Kinder boten uns Wasser, Postkarten und Bücher an, andere bettelten schlichtwegs für Geld oder etwas Essbares. Es ist schwierig, mit der Armut und dem Mittleid und der Machtlosigkeit (oder ist sie bloss Ausrede?) umzugehen. Andererseits bin ich glücklich über das freundliche “or-kuun” der Kinder, denen wir am Früchtemarkt einige Salak anboten…
Viel Schönes und Schreckliches an einem Tag. Or-kuun ist Khmer und bedeutet danke. Salak sind braune schuppige Früchte mit weissem, süsslich-bitter schmeckendem Fruchtfleisch und grossen braunen Kernen.